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Die Frage nach den Reparaturmöglichkeiten wird heute häufig gestellt, wenn in Hauseingängen, Fluren und Küchen des letzten Jahrhunderts unter Linoleum- und ähnlichen Schichten als Überraschung ein alter Terrazzoboden auftaucht. 

Die Antwort ist ein klares "Ja,aber!" Ja: denn Reparaturen sind technisch einwandfrei möglich. Aber: leider nicht völlig unsichtbar. Weder die genaue Steinmischung, noch die über Jahrzehnte gewachsene Patina können mit einer modernen Reparatur zu 100% erreicht werden. (Die Bilder zeigen reparierte Stellen im Martin-Gropius-Bau in Berlin.)

Sollte man ihn trotzdem reparieren? Ein klares "ja", wenn man mich fragt. Denn ich ziehe einen sichtbar geflickten Terrazzoboden, der zum architektonischen Charakter des Hauses gehört, fast jedem "perfekten" modernen Bodenbelag vor.

Detlev Hill* schreibt dazu:

 

Es ist immer wieder schade, wenn Hausflure und Eingänge ...... ohne Rücksicht auf die Originalsubstanz saniert werden und vorhandene Terrazzobeläge diesen Sanierungen zum Opfer fallen. Bei einer fachkundigen Ausführung könnten diese Beläge sicherlich in den meisten Fällen erhalten bleiben. Durch das Entfernen der Terrazzobeläge wird ein wichtiges Wesensmerkmal der Bausubstanz  unwiederbringlich zerstört.

 

martin gropius risse 02

Bei den notwendigen Reparaturen geht es nicht immer nur um ausgebrochene Stellen, die wieder restauriert werden sollen. Genau so häufig trifft man auf gerissene Böden. 

"Ein Terrazzo ohne Risse ist kein echter Terrazzo" - "Risse in einem traditionellen Terrazzo sind eigentlich als normal zu bezeichnen."

Solche und ähnliche Aussagen sind bekannte Versuche, eindeutige optische Mängel als einen ästhetischen Wert zu verkaufen. Aber wer findet sie denn wirklich schön?

Es drängen sich bei diesem Thema zunächst einige Fragen auf:  Was sind denn die technischen Ursachen dieser "unvermeidbaren" Rissbildung?  Gab es diese Risse schon immer ? Ist so eion Boden denn überhaupt rissfrei machbar?

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Woher kommen die Risse?

Die häufigste Ursache von Rissen sind der Tatsache geschuldet, dass die Wasser-Zement-Mischung (also das Bindemittel des Zement-Terrazzos) beim Trocken deutlich an Volumen verliert - es kommt zu sog. Schrumpf- und Schwundrissen. Dieses Problem kann durch sorgfältiges Arbeiten, durch Beachten der Umweltgegebenheiten, wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, etc. reduziert, aber nie gänzlich vermieden werden. Es ist ein systembedingtes Problem zementärer Böden überhaupt.

Gab es diese Risse schon immer?

Nein! Hier haben wir es eindeutig mit einer technischen Eigenart des Zement-Terrazzo zu tun. Und deshalb ist auch die Aussage:  "Risse in einem traditionellen Terrazzo sind eigentlich als normal zu bezeichnen." nicht ganz richtig. Denn der traditionelle Kalkterrazzo hat dieses technische Problem in geringerem Maße.  Er ist von Hause aus wesentlich elastischer als Zement-Terrazzo. Um Risse zu vermeiden, wurde er auch nicht gegossen, sondern als möglichst trockner Mörtel eingebracht - denn dass viel Wasser die Rissbildung begünstigt, war auch schon in Venedig bekannt.

 

In einem 'Sanierungshandbuch' * lesen wir dazu:

Obwohl der zementgebundene Terrazzo im Vergleich zum kalkgebundenen Terrazzo wesentlich schneller hergestellt werden kann, hat er gegenüber dem historischen Kalkterrazzo Nachteile, die vor allem auf das größere Schwindmaß zurückzuführen sind. Aus diesem Grund können zementgebundene, örtlich hergestellte Terrazzoböden nur mit wesentlich kleineren Feldgrößen verlegt werden.

 

Ist Terrazzo rissfrei machbar?

Ja, die moderne Lösung ist die Rückkehr zu einer alten Lösung, zum Magnesit-Terrazzo.  Denn das Bindemittel Magnesia schrumpft und schwindet beim Trocknen nicht, es dehnt sich im Gegenteil sogar leicht aus. So können Schwund- und Schrumpfrisse schon systembedingt nicht entstehen.

 

* Hill, Detlev und Theurer, Anja: Sanierungshandbuch, Köln 2009

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