terrazzoboden braunStellt man sich heute diese Frage, dann geht ja gewöhnlich gleich der erste Blick Richtung Wikipedia. Und man erfährt dies:

Terrazzo ist die Bezeichnung für einen bereits seit der

Antike bekannten Bodenbelag, der durch das direkte Auftragen dekorativer, oft farbiger Zuschlagstoffe auf eine meist zementgebundene Estrich-Unterlage mit dieser eine Einheit bildet und im Anschluss an die Trocknung durch Schleifen und Polieren seine endgültige, glänzende Oberfläche erhält.

Das verstehe ich nicht so richtig – die mir bekannte oft mehrfarbige Optik von Terrazzoböden soll also durch das „direkte Auftragen von Zuschlagstoffen“ entstehen; ja wie denn das?

Werden hier Steine gemalt? Oder liegen die dann lose auf einem zementgebundenen Estrich?

Dieser Bodenbelag ist also schon seit der Antike bekannt. Gut, aber wie kann er dann meist auf einer „zementgebundenen Estrich-Unterlage“ liegen? Welcher Zement ist gemeint? Das schon zu römischen Zeiten bekannte „Opus Caementitium“, das aus Ziegel-, Puzzolanmehlen, Sandkörnungen, etc. bestand, oder ist der seit dem 19.Jahrhundert populäre moderne Portland-Zement gemeint?

Jetzt kenne ich solche Böden aus vielen Hausfluren, wo sie matt und stumpf vor mir liegen. Wenn Sie also nicht auf Glanz geschliffen werden, sind diese Böden dann keine Terrazzoböden? Alles in allem wirft diese Wikipedia-Definition eigentlich mehr Fragen auf als sie beantwortet.

Sucht man über Google, dann landet man hauptsächlich bei Verarbeitungsbetrieben, die selbst Terrazzo anbieten und ihre Leistung oft recht wild definieren:

 

Terrazzo ist ein künstlicher mineralischer Werkstoff für Fußbodenbeläge.

Leider werden die offensichtlichen Fragen, die sich der Leser nun stellt, nicht beantwortet: Was ist denn an einem mineralischen Werkstoff künstlich? Oder: Wie sieht denn dieser mineralische Werkstoff aus? Wird der irgendwo abgebaut? Oder wie Zement durch Hitzezufuhr hergestellt?

 

Definition über die Vokabel Terrazzo 

Versucht man sich vom Wortsinn her zu nähern, wird es auch nicht einfacher; Das Online-Wörterbuch „Leo“ übersetzt die Vokabel mit „Terrasse“ oder ganz einfach mit „Terrazzo“ – nur hilft das nicht wirklich weiter.

 

Andere behaupten:

Der Begriff Terrazzo nimmt auf die Herstellungstechnik Bezug und kommt vom italienischen Verb terrazzare, was soviel wie einebnen bedeutet.

Ich habe allerdings kein Wörterbuch gefunden, dass diese Übersetzung bestätigt. Für diese Erklärung spricht allerdings das eingedeutsche Wort "trassieren", das wohl romanischen Ursprungs ist und durchaus auch im Sinn von 'Einebnen' gebraucht wurde (und wird?). In diesem Sinn erzählt auch Alfred Bohnagen die Geschichte:

 

In Italien war dieser Terrazzo das Produkt einer Gelegenheitskunst gewesen, entstanden aus dem Bemühen der ärmeren Bevölkerung, die farbenreiche Platten-Mosaik der Paläste in ihren Hütten nachzuahmen. Dabei verwendete man die ungleichmäßigen Plattenabfälle aus den Marmorbrüchen, die in allen Formen und Brockengrößen unbeschreiblich billig zu beschaffen waren, weil sie in der Öffentlichkeit herumlagen wie beim Glaser die Scheibenabschnitte. die ja auch meist im Scherbenhaufen beseitigt werden. In der Vermischung mit dolomitischem Kalk wurden die Brocken zu Zwecken der Straßenaufschüttung oder zur Einebnung ausgefahrener Geleise verwendet, etwa so, wie man bei uns aus Zement und Basaltschotter Straßenbeton macht. Man pflasterte wohl auch Viehställe und Höfe mit den Marmorstücken, so wie wir mit Grauwacke Straßen zu pflastern pflegen. Bei der Abnutzung kam dann die eigenartige Struktur des Pflasters zum Vorschein, wenn recht verschiedenfarbige Marmore verwendet worden waren, und das begeisterte dann die farbenfrohen Italiener, solche Buntheit als Zierde auch vor ihren Häusern, schließlich auch in den Häusern zu haben. Dazu musste man natürlich erst ebnen, was uneben war; die deutschen Landschaftsgärtner verwälschen das mit dem Worte „trassieren“. Man musste also t e r r a s s i e r e n , ebnen und erhöhen, und daraus entstand das Eigenwort Terrazzo.

 

Leider können wir den Autor nicht mehr fragen, wann sich das so zugetragen haben soll. Vielleicht im 19.Jahrhundert, da ja schon von 'ausgefahrenen Gleisen' die Rede ist. In diesem Fall aber muss die italienische Handwerkskunst sehr gespalten gewesen sein. Einmal haben wir hier noch im 19.Jahrhundert "Gelegenheitskunst für Viehställe" während schon seit guten 400 Jahren perfekter Kalkterrazzo in den Palästen Venedigs liegt.

 

Wenig hilfreich ist auch diese Interpretation:

Terrazzo ist ein altes italienisches Wort und heißt auf Deutsch wohl nichts geringeres als ‚Bodenbelag‘.

Klingt passend, ist aber als Übersetzung wohl extrem frei.

 

Auch nicht belegt, aber schön ist diese Geschichte: Venezianische Mosaikleger hätten nach ihrer Arbeit in den Palästen überschüssige und ungeeignete Mosaiksteine mit nach Hause genommen und dort in die Lehmböden ihrer Terrassen gesteckt. So sei das Wort entstanden.

 

Definition über die  Optik

Wenn man weder mit dem Wort noch mit den zu seiner Herstellung nötigen Werkstoffen weiter kommt, dann bleibt ja immer noch die Optik. Angelehnt an diese Quelle - www.materialarchiv.ch - könnte man es mit einer Definition von der Optik her so versuchen:

 

Terrazzo ist ein gestampfter Boden, in den Steine von unterschiedlicher Körnung, Färbung und Beschaffenheit eingestreut oder als Muster verlegt sind.

 

Diese Definition schließt auch Mosaike ein, die sich dann nur durch das sorgfältigere Einlegen der Steine unterscheiden. Allerdings ist die Beschränkung auf "Steine" auch nicht notwendig, wenn man an Glas, Metall, Perlmutt, u.a. denkt, die einem Boden durchaus zusätzlichen Reiz verleihen können. Leider fehlt dieser Definition der explizite Hinweis darauf, dass Terrazzoböden "fugenlos" sind. Denn Terrazzoplatten, Betonwerksteine oder Fliesen in Terrazzo-Optik sind etwas ganz anderes als ein Ortsterrazzo.

Eine Definition über die Optik hat auch den großen Vorteil, dass man der Diskussion entkommt, was denn nun ein "echter Terrazzo" sei. Denn diese hält sich an der Frage auf, wie denn die Steine oder anderen Materialien fest im Boden gebunden werden - mit Kalk, mit Portland-Zement, mit Magnesit, mit Kunstharz  -  alles sinnlose Alleinvertretungsansprüche, die oft Jahrhunderte oder gar Jahrtausende Bau-, Kunst- und Handwerksgeschichte ignorieren. Gerade in Sachverständigenkreisen trifft man da ab und an auf eine fast krankhafte Sucht nach der Definitionshoheit.

 

 

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Terrazzo-Varianten 2017

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